Einmal Generalüberholung bitte! – Teil3

Im letzten Teil habe wir unse mit der Demontage und dem Aufarbeiten der Mechanik beschäftigt. Auf das aufwendige Polieren folgt nun das Zusammensetzen jener Mechaniksegmente welche durch Verstiftung gehalten werden. Anschließend können die neuen Polster eingebaut und angepasst werden.

Bepolsterung und Montage

Im Bläserstudio Koblenz werden hauptsächlich Markenpolster der Fa. Pisoni aus Italien verbaut. Dieser  weltweit renommierte Betrieb hat sich auf die Herstellung von Polstern für professionelle Holzblasinstrumente (u.a. Selmer und Pearl) spezialisiert. Dem Spieler stehen Polster unterschiedlicher Qualitäten und Materialien zur Auswahl. Die verschiedenen Eigenschaften der Polster haben Auswirkung auf das Spielgefühl und die Akustik der Flöte. Man sollte sich also beraten lassen. Bei unserer Sankyo-Flöte hat sich der Spieler für traditionelle Filzpolster der Dicke 2.0mm entschieden. Wichtig ist, dass die Dicke der vorigen Polster in etwa wieder erreicht wird, da ansonsten die Kamine nicht gleichmäßig vom Polster abgedeckt werden und somit kein sauberer Ton zustande kommt. Beim Einbau der Polster kommt es nun darauf an, die Deckung auf dem Kamin so exakt wie möglich herzustellen. Hierbei geht es um hundertstel Millimeter. Während des Anpassens werden die Polster immer wieder ein- und ausgebaut und mit Kreissegmenten aus Papier feinster Stärke unterlegt. Zur Überprüfung, ob die Polster die erforderliche Dichtigkeit aufweisen, hat die Flötenbauerin zwei verschiedene Werkzeuge zur Auswahl.  Für den ersten Schritt bedient sie sich einer Lampe, welche sie in das Flötenrohr schiebt und somit an jeder Klappe überprüfen kann, ob das Licht der Lampe an jeder Stelle gleichmäßig durchscheint. Für die feinere Abstimmung verwendet die Flötenbauerin einen so genannten Fühler. Der besteht aus einem dünnen Streifen Folie, der an einem Streichholz großen Holz befestigt ist. Diese wird beim Schließen der zu prüfenden Klappe zwischen Polster und Kamin eingeklemmt. Durch Stärke und Art des Zuges an der Folie kann die Flötenbauerin ebenfalls überprüfen, wie das Polster den Kamin an einzelnen Stellen abdeckt. Auch diese Arbeit erfordert viel Erfahrung und extremes Feingefühl. Wie man sich leicht vorstellen kann, ist diese Arbeit zudem sehr zeitaufwändig, da jedes einzelne Polster individuell unterlegt und an den Kamin angepasst werden muss.

Nachdem alle Polster eingepasst sind, werden die neuen Anschlagfilze in Stärke und Form vermessen, aufgeklebt und zurecht geschnitten. Nun wird die Mechanik Segmentweise geölt, zusammengebaut und dabei einreguliert. Viele Mechaniken sind hierfür mit kleinen Regulierschrauben ausgestattet, an denen sich die Lage der einzelnen Klappen zueinander sehr genau und problemlos einstellen lässt. Sind solche Schrauben nicht vorhanden, so wird auch hier mit Papier oder Leder unterschiedlicher Dicke gearbeitet. Im Zuge der Regulierung werden auch die Filze auf ihre entsprechenden Dicken eingeschliffen.

Der Stimmkork, welcher sich oberhalb des Mundlochs im Flötenkopf befindet, wird erneuert und mittels der Kopfschraube zur Mensur der Flöte an der richtigen Stelle justiert. Auch die Zapfenverbindungen werden nun nach Bedarf angepasst. Bei unserer Beispielflöte ließ sich ja der Kopf nur schwergängig mit dem Mittelstück verbinden. Mit einem Spezialwerkzeug wird daher die Zapfenweite am Kopfstück minimal verringert, wodurch die Zapfenverbindung wieder problemlos zu handhaben ist.

Ist die Flöte wieder vollständig zusammen gebaut, folgt ein erster Anspieltest. Die Flötenbauerin überprüft Ansprache, Zentrum und Intonation jedes Tones und aller Griffmöglichkeiten. Nach einigen Stunden Ruhezeit, bei der sich Filze und Polster nochmals setzen, erfolgt ein zweiter Anspieltest. Fällt auch dieser positiv aus, folgt die Begutachtung durch den Spieler. Nun lassen sich kleine Veränderungen in der Regulierung und beim Federdruck individuell auf die Hände und Spielweise des Flötisten einstellen. Lässt die Querflöte sich nun wieder perfekt spielen und sprechen alle Töne, Sprünge und Dynamiken wie gewünscht an, so ist die Generalüberholung zunächst abgeschlossen. Da sich einige der verwendeten Materialien noch einmal durch die Benutzung verändern, wird die Flöte nach einer Einspielzeit von 2-3 Monaten in Absprache mit dem Spieler nochmals reguliert.

Die regelmässige Reinigung und Regulierung der Mechanik einer Querflöte erhöht laut Aussage von Frau Kehl deutlich die Lebensdauer des Instrumentes und des aktuell gespielten Polstersatzes. Ausserdem lassen sich kleine Veränderungen der Mechanik schon frühzeitig erkennen und beheben.

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