Einmal Generalüberholung bitte! – Teil2

Demontage und Überprüfung der Mechanik


Nachdem man sich ein Bild vom Zustand der Querflöte gemacht hat, wird die Mechanik abgebaut. Hierbei ist es wichtig, eine bestimmte Reihenfolge einzuhalten, um ein Verklemmen der Mechanik zu vermeiden, da einzelne Elemente im Mittelteil auf eine komplizierte Art und Weise miteinander verbunden sind. Beim Ausbau ist darauf zu achten, alle Federn auszuhängen. Begonnen wird mit den Mechanikteilen am Querflötenfuß. Daraufhin folgt die Mechanik des Mittelstücks, beginnend mit der linken Hand und anschließend die Mechanik der rechten Hand. Die Triller können erst zum Schluss abgenommen werden, da diese unter der Mechanik der rechten Hand liegen.
Nachdem die Mechanik vollkommen vom Korpus der Querflöte abgenommen wurde, wird das Öl an den Achsen und in den Röhrchen entfernt. Nur so kann sich unsere Flötenbauerin einen Eindruck von den aktuellen Passungen der Mechanik verschaffen.

Es ist wichtig, dass alle Klappen auf den jeweiligen Achsen ohne zu kratzen frei bewegbar sind. Jedoch dürfen sie auch kein Spiel aufweisen. Hierfür schiebt man die einzelnen Klappen auf deren Achsen und dreht diese – dabei sollten die Klappen auf Grund der Schwerkraft nach unten hängen bleiben und sich nicht mit der Achse mitbewegen. Oftmals sind hierbei nach einigen Jahren Verschleißerscheinungen an der Querflöte zu erkennen. Durch das ständige Bedienen der Klappen werden die Metallhülsen naturgemäß seitlich abgenutzt und es entstehen Zwischenräume zwischen den Röhrchen und den Achsen sowie zwischen den Röhrchen und den Haltesäulchen, weshalb die Mechanik merklich Spiel bekommt und „ausgeschlagen“ ist. Um dies zu überprüfen, baut man die einzelnen Klappengruppen wieder auf den Korpus auf. Dabei müssen die Klappen fest sitzen und dürfen sich weder nach rechts noch nach links verschieben lassen. Sollte eine Verschiebung der Klappen möglich sein, so lässt dies darauf schließen, dass die Mechanik ausgeschlagen ist. Dieser Verschleiß der Mechanik führt u.a. zu einer verstärkten Abnutzung der Polster, da diese durch die Seitwärtsbewegung der Mechanik auf den Kaminen hin und her reiben. Zusätzlich kann es sein, dass die Klappen nicht mehr richtig schließen, da die Polster ungleichmäßig auf den Kaminen aufsetzen. Darüber hinaus tritt es auf, dass sich zwei Klappen, die miteinander verbunden sind, in verschiedenen Winkeln zur Achse bewegen und somit den Kamin nicht vollständig abdichten. Eine korrekte Einstellung der Klappen zueinander wird in diesen Fällen unmöglich. Alle diese Probleme haben zur Folge, dass verschiedene Töne der Querflöte sehr schwer oder gar nicht zu spielen sind.

Schliesslich werden auch die verbleibenden Klappengruppen, welche durch Stifte auf ihren Achsen fixiert sind, auseinander gebaut. Die Verstiftung dienen dazu, dass sich einzelne Klappen oder Klappenelemente mit der Achse mitbewegen sollen. In der Abbildung ist zu erkennen, dass die Klappe-A durch eine Verstiftung mit der Achse verbunden ist und dadurch die freilaufenden Klappen B und C mitbewegt. Sind die Stifte entfernt, können die Klappen einzeln entnommen und auf ihre Funktion überprüft werden.

Sollten die beschriebenen Mängel festgestellt werden, was bei unserer Beispielflöte an einzelnen Mechanikteilen der Fall ist, wird die Mechanik nachgearbeitet. Dadurch verschwinden die Zwischenräume, die Mechanik sitzt wieder ohne Spiel und die Klappen decken die Kamine wieder vollständig ab. Dieser Prozess verlangt von unserer Flötenbauerin viel Feingefühl und Erfahrung, da sich einzelne Änderungen auch auf andere Klappen und Mechanikteile auswirken.

Daraufhin werden die Polster aus allen Klappen ausgebaut.  Man erkennt dann, daß alle Polster mit Papierringen unterlegt sind. Darauf gehen wir im Folgenden noch näher ein.
Bei unserer Beispielflöte sind die Polster schon recht stark abgenutzt. Die Eindrücke auf der Polsteroberseite sind sehr tief. An einigen Stellen ist die dünne Goldschlägerhaut, mit welcher der Filzkern der Polster überzogen ist, bereits eingerissen und der Filz „schaut raus“.
Darüber hinaus werden in diesem Arbeitsschritt alle an der Mechanik verklebten Anschlagfilze und alten Klebereste mittels eines Dreikantschabers entfernt.

Reinigung von Korpus und Mechanik

Im Anschluss werden die Einzelteile von Mechanik und Korpus in ein Silberbad gelegt. Dies erleichtert der Flötenbauerin das spätere Polieren des Korpus und der Mechanik. Nach etwa 10 Minuten kann die Querflöte dem Silberbad entnommen, gründlich mit Wasser ausgespült und anschließend abgetrocknet werden. Es folgt die Politur von Korpus und Mechanikteilen. Die Querflötenteile sollte nicht an einer  Poliermaschine poliert werden, da sich hierbei die Mechanik leicht verbiegen kann. Bei versilberten Instrumenten ist zudem ein übermäßiges Abtragen der Silberoberfläche zu befürchten. Daher wird die Querflöte von Hand poliert. Die ist sehr zeitaufwändig, jedoch erstrahlen alle Einzelteile der Querflöte nach dieser Arbeit in neuem Glanz.

Im 3. Teil unserer Dokumentation einer Generalüberholung beschäftigen wir uns mit Bepolsterung, Montage und Feinjustage der Querflöte.

Wir benutzen zur Verbesserung unserer Inhalte und sammeln von Nutzerinformationen für diese Webseite Google Analytics. Google Analytics blockieren.